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Oft gestellte Fragen zu Niklaus von Flüe und Dorothee Wyss

Fragen & Antworten

«Niklaus hat sich im Einverständnis mit Frau und Kinder für diesen Weg entschieden. Aus Sicht der Zeit hat er auf den Schutz der Familie verzichtet. Die Verantwortung für Haus und Hof und die Familie übernahmen die erwachsenen Söhne. Heute ist breit anerkannt, dass das Ja von Dorothee von entscheidender Bedeutung war.»

«Die meisten Pilger stammen aus der Schweiz und Süddeutschland. Einige sind auf dem Weg nach Santiago di Compostela. Viele besuchen bewusst den Ranft und den Menschen Bruder Klaus. Jährlich sind es gegen 100‘000 Personen, in diesem Jahr etwas mehr.»

«Zeitgenössische Dokumente bezeugen fünf Söhne und fünf Töchter. Wir kennen jedoch nur die Namen von fünf Kindern. Möglicherweise starben die übrigen vor dem Erwachsenenalter. Die ältesten Söhne, Hans und Walter, wurden Landammänner, sie wurden ins höchste politische Amt Obwaldens gewählt. Beide Töchter, Verena und Dorothee, heirateten nach Altzellen (Nidwalden), woher wahrscheinlich ihre Mutter stammte. Der jüngste Sohn Niklaus wurde Priester und wirkte bis zu seinem frühen Tod 1503 als Pfarrer in Sachseln.»

«Über Dorothee wissen wir als Person leider sehr wenig. Wir kennen weder Todesjahr noch Grabstätte. Hinter der Pfarrkirche Sachseln findet sich eine Statue, die von Verehrern von Dorothee gerne aufgesucht wird.»

«Rückblickend merkte Bruder Klaus, dass er schon als Kleinkind den Ranft erkannt und als junger Mann dort einen hohen Turm gesehen hatte. Als Erwachsener zog er sich immer wieder dorthin zum Gebet zurück. Es war sein Ort des Rückzugs, der Stille und des Gebets.»

«Es war die Nachricht vom wunderbaren Fasten, die eine gewaltige Attraktion auslöste. Dazu kam, dass Niklaus von Flüe in unmittelbarer Nähe der Menschen blieb. Sie fanden im Ranft eine offene Tür und Zuwendung.»

«Es waren zuerst Freunde und Nachbarn, zumeist Bauern. Sicher suchte auch die Familie seinen Rat. Immer mehr besuchten ihn auch Theologen, Kirchenleute und Politiker aus dem In- und Ausland. Ihre Besuche sind teilweise dokumentiert. Wenn ihm der Besucherstrom zu gross wurde, zog er sich zurück.»

«Lesen und Schreiben konnten wenige. Es war normal, Briefe zu diktieren. Die zeitgenössischen Berichte belegen, dass er ein kompetenter Gesprächspartner war und selbst hochgelehrte Leute verblüffte. Seine Briefe zeugen von grosser inhaltlicher Tiefe und Genauigkeit.»

«Die schmale Bank und der Stein in der Zelle sind Ausdruck einer späteren romantischen Interpretation seiner Lebensweise. Er lebte, wie Berichte belegen, sehr einfach, verfügte aber sogar über einen Ofen.»

«Niklaus von Flüe hat schon früh sehr wenig gegessen. Nach seinem Aufbruch als Eremit und der schmerzhaften Umkehr in der Nacht von Liestal, hatte er kein Bedürfnis mehr nach Speise und Trank. Sein Beichtvater Oswald Isner, dem er dies anvertraute, konnte den verunsicherten Mann beruhigen. Es solle bei diesem Fasten bleiben, «sofern er dies ohne Tod erleiden könne» (Kirchenbuch von Sachseln 1488). Es war dies die ihm gemässe und von Gott geschenkte Art, sich ganz Gott zu übergeben. Auf Grund der vielen zuverlässigen Berichte und Zeugenaussagen aus jener Zeit gibt es wissenschaftlich-kritisch keinen Grund, an seiner langjährigen Askese zu zweifeln. Eine rationale Erklärung gibt es aber nicht.»

«Ich halte diesen Satz, der ihm erstmals 50 Jahre nach seinem Tod zugeschrieben wird, für möglicherweise authentisch. Allerdings war dies eine Lebensregel zu mehr Bescheidenheit. Man solle den Zaun um das zum eigenen Nutzen bestimmte Land, dem Eigennutzen, nicht übertreiben.»

«Der Luzerner Gerichtsschreiber Hans Salat hielt 50 Jahre nach dem Tod des Eremiten als dessen Mahnung fest: «Beladet Euch nicht mit fremden Angelegenheiten.» Es war ein Satz gegen den Solddienst. Das lustvolle «Mischt euch nicht in fremde Händel» ist eine Interpretation des 19. Jahrhunderts!»

Die Antworten stammen von Albert Gasser, emeritierter Professor für Kirchengeschichte der Theologischen Hochschule Chur, Doris Hellmüller, Geschäftsführerin der Bruder-Klausen-Stiftung, Walter Signer, ehemaliger Bruder-Klausen-Kaplan und Roland Gröbli, Präsident des Wissenschaftlichen Beirats (Schlussredaktion)

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